altmarkgeschichte

Frühjahrstagung 2012 Wiepke

Wilhelm Gille begrüßt auf dem Mühlenhof

Der Altmärkische Geschichtsverein absolvierte die Frühjahrstagung 2012 am 28. April des Jahres in der Reichwaldschen Wassermühle in Wiepke und ging anschließend auf Exkursion mit den Stationen Zichtau, Schenkenhorst, Berge und Gardelegen. Es standen keine Regularien an. An der Tagung nahmen 49 Besucher Vereinsmitglieder und Gäste teil.

In Wiepke war der Geschichtsverein zu Gast beim Wassermühlen- und Heimatverein Wiepke. Vorträge und Exkursionsziele waren hauptsächlich der Geschichte der altmärkischen Adelsfamilie von Alvensleben mit Besichtigung von Gutsanlagen und Kirchen gewidmet. Zwei andere Vorträge erweiterten das Themenangebot.

Der Vormittag der Frühjahrstagung war den drei Vorträgen reserviert, die im ausgebauten Nutzbereich der Mühlenanlage gehalten wurden. Vor dem regulären Beginn der Tagung führte der Vereinsvorsitzende des Wiepker Mühlenvereins Friedrich-Wilhelm Gille durch das Gelände und erklärte historische und technische Details der Reichwaldschen Wassermühle. Zu Beginn des Vortragsblockes führte Herr Gille noch einige Anmerkungen zum Wassermühlen- und Heimatverein Wiepke e.V. aus. Dieser bemüht sich seit 1995 um die Erhaltung, den Ausbau und die historisch-kulturelle Nutzung der Mühle.


Als erster Vortrag referierte Reimar von Alvensleben über „Die Alvensleben in Zichtau 1420-1847“. Reimar von Alvensleben hatte sich in den letzten Jahren intensiv mit der Familiengeschichte beschäftigt und bereits im Jahre 2010 das bis dahin noch nicht veröffentlichte Manuskript „Die Alvensleben in Kalbe 1324-1945“ von Udo von Alvensleben-Wittenmoor ediert. In seinem Vortrag stellte er wichtige Familienmitglieder in Porträt und Bedeutung vor und ging auf verschiedene ehemalige Besitzungen der Familie von Alvensleben in der Altmark ein, um dann besonders die Bezüge zum Gut Zichtau darzustellen. Gleichfalls erfuhren die weiteren Orte der nachmittäglichen Exkursion, Schenkenhorst, Berge und Isenschnibbe/ Gardelegen, an dieser Stelle bereits einige einleitende Vorbemerkungen bzw. wurden diese in historischen Ansichten vorgestellt. Der Referent ging auch auf mehrere Legenden ein, die im Zusammenhang mit der Familienüberlieferung stehen. Er berichtete hier von seinen Bemühungen, jeweils den historisch korrekten Tatsachenstand zu ermitteln und das historische Geschehen von Ausschmückungen, Umdeutungen oder Falschinterpretation zu befreien.


Über ein anderes Kapitel einer Gutsgeschichte, nämlich der Anlagen in Schönhausen, berichtete Frau Jenny Freier. Sie hatte sich bereits im Jahre 2009 in ihrer Magisterarbeit mit dem Thema beschäftigt und referierte nun zu dem Thema „Die Gutsanlagen in Schönhausen (Elbe) - Die Geburtstätte Otto v. Bismarcks und das ehemalige Bismarckmuseum“. Der Vortrag von Frau Freier widmete sich speziell der architektonischen Gestaltung von Gut I und Gut II und der Parkanlagen. Sie verwies hier auf Vorbilder bzw. Musterentwürfe für den Bau von derartigen Repräsentations- und Nutzobjekten. Dabei vermittelte die Referentin anhand einer Reihe von historischen Ansichten einen Eindruck von den architektonischen Hintergründen und gestalterischen Zusammenhängen. Sie ging auf die ursprünglichen Raumnutzungskonzepte der Innenräume ein und beleuchtete die Einrichtung des ursprünglichen Bismarckmuseums im historischen Kontext.

Der letzte Vortrag wurde vom Vorsitzenden Bernhard von Barsewisch gehalten. Er stellte einen in seiner Familie erhaltenen Beleg für eine Gelegenheitsdichtung aus dem Jahresbrauchtum eines Gutes vor: „Ein Gedicht zum Erntedank in Scharpenhufe um 1865“. Nach einer kurzen Einführung zur den Überlieferungszusammenhängen und den Familienverhältnissen ging der Referent auf das volkstümliche Gedicht in seinem Wortlaut und die Adressaten der einzelnen Strophen ein, die in schlichten Reimen die verschiedenen Bewohner des Hofes ansprachen.

Nach der Einnahme des Mittagessens im sonnigen Ambiente des Mühlenhofes begann der Exkursionsteil. Das Programm des Nachmittags war sehr dicht geplant und verlangte den Teilnehmern einige Disziplin ab.

Als erstes führte der Weg in das nahe gelegen Zichtau. Die Besichtigung der Kirche wurde vom Kirchenältesten Herr Hans-Henning Weichert ermöglicht und begleitet.

Danach führte ein Rundgang zum ehemaligen Gutsgelände. Hier residiert jetzt die Stiftung Zukunft und die Gartenakademie Sachsen-Anhalt. Frau Schulze führte über das Gelände und gab einen kleinen Einblick in die jetzige Nutzung der neu ausgebauten Gutsgebäude und die Absicht, das Gutshaus komplett niederzulegen und einen Hotelneubau an dessen Stelle zu errichten.

Von Zichtau aus führte dann die Route zum Gutshaus in Schenkenhorst, das leider nur im Außengelände besichtigt werden konnte. Herr Ulf Frommhagen informierte über die Geschichte des Hauses bzw. der Vorgängerbauten. Anschließend fuhren alle Beteiligte in den nahe gelegenen Ort Berge, wo das Restauratorenehepaar Groll über die Ausstattung der Kirche und der Probleme bei deren Erhaltung berichtete. Als letzter Besichtigungsort stand das Gutshaus Isenschnibbe auf der Tagesordnung. Hier führte der Besitzer und Bewohner des Hauses Herr Harald Rothermel durch sein Gebäude und erzählte von der Geschichte des Hauses und den Mühsalen dieses zu erhalten.

Zum Abschluss kehrten die noch verbliebenen Teilnehmer im Café Am Rathaus in Gardelegen ein und beschlossen dort den sehr informativen Exkursionstag.